Title: Konferenz der Kinder- und Jugendarbeit 13. Juni 2009
Subtitle: "Gerechtigkeit erhöht ein Volk"
Author:

Konferenz der Kinder- und Jugendarbeit der EKHN begrüßt Dr. Volker Jung


„Gerechtigkeit erhöht ein Volk“

 

 

Der Fachbereich Kinder- und Jugendarbeit hatte für den 13. Juni 2009 unter dem Motto „Gerechtigkeit erhöht ein Volk“ zur Konferenz der Kinder- und Jugendarbeit der EKHN eingeladen. 84 haupt- und ehrenamtlich Verantwortliche der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit folgten dieser Einladung und wurden durch die stellvertretende Leiterin des Fachbereiches, Ulla Taplik, in der Jugendkulturkirche sankt peter begrüßt.

Die Teilnehmenden kamen u.a. aus Gemeinden und Dekanaten, den Werken und Verbänden, der EKHN und anderen Einrichtungen.

„Damit wir den Himmel für sie offen halten, haben wir auf der Erde noch viel zu tun“, mit diesem Werbeslogan eröffnete Martina Klein, Leiterin des Zentrums Bildung, die Andacht zur Konferenz. Sie predigte über Visionen, die wir haben, wenn wir uns mit dem Thema Gerechtigkeit ernsthaft auseinandersetzen. Im Gleichnis vom Sämann ist bereits zu lesen, dass im Vergleich zu dem, was wir säen, doch wenig zur Geltung kommt. Die Erfahrung Vieler in der Kinder- und Jugendarbeit. Und doch: im Gleichnis stellt sich der Erfolg erst später ein, der Ertrag ist so unbeschreiblich groß, wie sie ihn der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit wünscht.

Im Rahmen der Konferenz wurde Stefanie Daube, Landesschülerpfarrerin der EKHN, offiziell durch Martina Klein und Ulla Taplik verabschiedet. Ihre Stelle läuft zum August diesen Jahres aus und wird  nicht wieder besetzt werden. Die Arbeit und das Engagement von Stefanie Daube wurden gewürdigt, besonders ihre gottesdienstlich spirituellen Leistungen.

Dr. Volker Jung, der neue Kirchenpräsident, bedankte sich für die Einladung und gab seiner Freude Ausdruck, das Hauptreferat der Konferenz halten zu dürfen. Sein gewählter Schwerpunkt für dieses Jahr sei die Bildungsgerechtigkeit, er sprach über das „spannende und anspruchsvolle Thema“.

Er rief das Auditorium dazu auf, das Ganze zu denken, denn Bildung braucht Gerechtigkeit und Gerechtigkeit braucht Bildung. Der biblische Titel der Konferenz „Gerechtigkeit erhöht ein Volk“ gehe über die Debatte der Bildungsgerechtigkeit hinaus. Es gehe um das Verhältnis von Gott und Mensch, der Mensch sei gefordert und ermutigt, dieses Leben zu gestalten. Gleichzeitig sei die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes die schwierigste Glaubensfrage. Und weil wir als Menschen immer wieder scheitern, sind wir darauf angewiesen, dass Gott uns gerecht macht.

„Gerechtigkeit kann nur in innerer Freiheit gelebt und gestaltet werden“- der Kirchenpräsident führte aus, was das für Jugendliche vor 50 Jahren und heute bedeute und wie wichtig es sei, sie auf ihrem Weg zu  unterstützen. „Das deutsche Bildungssystem versagt nicht nur gegenüber den sozial und kulturell schlechter Gestellten, sondern es trägt zu Ungerechtigkeit bei. Armut sei ein Mangel an Entwicklungs- und Bildungschancen. Er schloss damit, dass die Anstrengungen, die unternommen werden und in Zukunft unternommen werden müssen, ein Einwirken auf Politik und Gesellschaft sein müssen, ebenso wie das tatkräftige Handeln vor Ort, denn kirchliche Bildungsarbeit müsse zum Tun des Gerechten anleiten.

In den Rückfragen an den Kirchenpräsidenten wünschten sich die haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden eine Rückmeldung zu den knappen finanziellen und personellen Ressourcen und befragten ihn nach Qualifizierung und Entwicklung des Personals sowie nach dem neuen Zuweisungssystem.

Die anschließende Talkrunde, die von Thomas Griffith moderiert wurde, nahm Bezug auf das Referat des Kirchenpräsidenten. Geladen zum Talk waren  Dr. Volker Jung, Dr. Martin Fraund, pensionierter Pfarrer und Mitglied bei Attac, Dr. Jürgen Borchert, Leitender Richter am Sozialgericht Darmstadt, Dr. Ute Greifenstein, Referentin für Brot für die Welt im Zentrum Ökumene der EKHN, Dr. Doron Kiesel, Professor für interkulturelle und internationale Dimensionen sozialer Arbeit der Universität in Erfurt, und Gernot Bach- Leucht, Stadtjugendpfarrer in Darmstadt.

Nach der Mittagspause hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, in vier Workshops differenziert zum Thema in Kontakt zu kommen.
Im ersten Workshop, der von Dr. Ute Greifenstein geleitet wurde, ging es um das Menschenrecht Wasser. “Wasser sei das Erdöl des 21. Jahrhundert“, so die Expertin.
„Wasser ist keine Ware und muss allen Menschen zugänglich sein.“ Sie präsentierte in ihrem Workshop wichtiges Basiswissen zu Wasserverbrauch, -verschwendung und -verschmutzung.  Um einmal nachzuvollziehen, wie schwierig es ist, über mehrere Stunden pro Tag Wasser für die Familien zu holen, durften alle einen vollen Wasserkanister auf dem Kopf tragen. Eine sehr anschauliche Ausstellung zum Thema „Wasser“ konnte den ganzen Tag besucht werden und kann darüber hinaus bei Ute Greifenstein ausgeliehen werden.

Im Workshop von Dr. Martin Fraund ging es um die negativen Folgen der Globalisierung. Nach einem einführenden Referat beschäftigte die Teilnehmenden die Frage: “Was kann ich tun?“ Die Botschaft war, dass jede/r, die/der was tun möchte, etwas tun kann, das beginnt bei der eigenen Bewusstwerdung, der „eigenen ökonomischen Alphabetisierung“ und „learning by doing“. Das Attac-Mitglied empfahl Gespräche und deutliche Positionierung gegenüber „Politikvertretern“.
Wichtig erschien die Überprüfung des Konsums, ohne zu moralisieren sowie das ökonomische Lernen im Kontext der Fair- Trade- Bewegung. Aus Darmstadt wurde berichtet, dass es dort konsumkritische Stadtrundgänge gäbe. Viele Kirchengemeinden haben sich verpflichtet, ausschließlich Fair-Trade-Café auszuschenken. Der ehemalige Pfarrer empfiehlt ein Engagement in diesem Sinne in Kirche, Partei oder einer NGO bspw. Attac.

Im Workshop von Dr. Jürgen Borchert ging es darum, dass „Soziale Gerechtigkeit jetzt entschieden wird“.
„Soziale Gerechtigkeit bezeichne ein Leitbild der Gemeinschaft, welche dem Prinzip der wechselseitigen Verantwortung füreinander, insbesondere auch bei der Verteilung der Güter, folgt.“ „Die Solidarität wurde längst aufgegeben“. Der Spitzensteuersatz sei seit dem Beginn der Bundesrepublik von 95% auf 42% gefallen, das bedeute, dass die unteren und mittleren Gehälter stärker besteuert werden als die oberen Gehälter. Eine Forderung müsse sein, dass alle Einkommen gleich besteuert würden. Das Fazit des Sozialrichters war es, dass die Politik nicht mehr die Kraft habe, das, was sie für richtig halte, auch wirklich durchzusetzen.

Dr. Doron Kiesels Workshop befasste sich mit den pädagogischen Konsequenzen der Zuwanderung in Deutschland“ vor dem Hintergrund, dass Deutschland bereits ein Einwanderungsland ist, in dem unterschiedliche Kulturen, Interessen und soziale Bezüge der Einwanderungsgruppen existieren. Eine Frage, die alle Teilnehmenden beschäftigte, war die Sorge, wie Spannungen im interkulturellen Feld beantwortet werden können. Im Gespräch wurde nach Anknüpfungspunkten gesucht, nach Ähnlichkeiten, die Anlässe für Begegnungen sein können. Als ein Beispiel wurde die Begegnung von kopftuchtragenden Frauen vom Land und Muslima geschildert, die traditionell Kopftuch tragen. Ein anderer möglicher Ort für Begegnung sind offene Jugendhäuser mit niedrigschwelligen Angeboten und eigens ausgewiesenen religiösen Angeboten.

Mit dem Reisesegen endete die Konferenz. Landesschülerpfarrerin Stefanie Daube schenkte allen Anwesenden ein kleines Säckchen mit Bruchstücken und eine passende Geschichte und spendete den Segen.

Downlaods zu der Konferenz:

 

Vortrag Kirchenpräsident Dr. Jung: "Bildung braucht Gerechtigkeit - Gerechtigkeit braucht Bildung"

 

Dr. Fraund: Fünf Thesen: "Globalisierung kritisch - eine andere Welt ist möglich"

 

Dr. Fraund: Referat "Globalisierung kritisch - eine andere Welt ist möglich"

 

Dr. Greifenstein: Flyer "Wasseresser"

 

Dr. Greifenstein: Unterrichtsentwurf zum Thema "Wasser"

 

Dr. Greifenstein: Planspiel Wasser für Garnubia

 

Dr. Geifenstein: Seminarvorschlag zum Thema Wasser

 

Dr. Kiesel: Vortrag: "Von der Ausländerpädagogik zur Interkulturellen Erziehung"

 

 


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